Klaus Mindrup diskutiert im Deutschen Theater über die Verdrängung der Kultur

Diskussion im Deutschen Theater

01.06.2017 | Das Theater o.N. hat seine Heimstätte bisher am Kollwitzplatz. Es ist eine der ältesten freien Theatergruppen Berlins. Nach 20 Jahren an seiner angestammten Spielstätte droht für das Theater der letzte Vorhang zu fallen. Der Mietvertrag für die Bühne soll nicht über Juli hinaus verlängert werden. Die Hausgemeinschaft hat damals eine Förderung mit der Auflage bekommen, auch Räume für eine kulturelle Nutzung zu vermieten. Nachdem diese Bindung ausgelaufen ist, wurde die Möglichkeit zur Kündigung genutzt.

 

Vor einigen Tagen hatte ich mir selbst ein Bild vor Ort von der Situation machen können.

Gemeinsam mit dem Deutschen Theater hatte das Theater o.N. daher zu einer offenen Diskussion unter dem Titel „Wachsende Stadt – wo bleibt der Raum für die Kultur?“ in das Deutsche Theater geladen: Wem gehört die Stadt und wer bekommt welchen Raum? Welche Zukunftsszenarien sind für Berlin denkbar? Kann eine Entwicklung wie in Paris oder London für Berlin noch verhindert werden? Wenn ja, wie? Waren die Fragen, die im Mittelpunkt standen.

In der Diskussion unterstrich ich, dass eine wesentliche Ursache für die Verdrängungen die wir heute erleben eine verfehlte Förderpolitik in der Vergangenheit ist. Bindungen über 20 Jahre können kein wirksamer Schutz vor Verdrängung sein, hier muss in längeren Zeiträumen gedacht werden. Neben dem rechtlichen Schutz von Mieterinnen und Mietern brauchen wir einen Schutz für Kulturschaffende, Gewerbemieter und freie Träger, denn sie sind auch zunehmend in Gefahr verdrängt zu werden, da es keinen Schutz vergleichbar wie bei Mietwohnungen gibt.

Zentral ist für mich aber die Frage der Bodenspekulation, hier muss insbesondere der Staat mit gutem Beispiel voran gehen. Verkäufe von Grundstücken nach dem Höchstpreis bedeuten praktisch den Ausschluss von gemeinnütziger Nutzung. Sie schließen auch Genossenschaften aus, die ein bewährtes Mittel der Selbsthilfe zur Schaffung spekulationsfreien Wohn- und Arbeitsraums sind. Dafür habe ich mich wie in den letzten 2 Jahrzehnten eingesetzt.

Denn ohne lebendige Orte der Kultur verliert unsere Stadt mehr als nur ihr Gesicht, sie verliert ein wesentliches Element ihrer Seele.