Stille Straße 10 - Erste Schritte zum Erhalt.

Stock Foto News CC0
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06.04.2018 | 03.04.2018 | Berliner Zeitung ©2018 | Stefan Strauß:

Rentnerclub in Pankow Seit sechs Jahren kämpfen Senioren um ihren Freizeittreff

Es ist jetzt fast sechs Jahren her, als etwa 50 Rentner aus Pankow plötzlich weltberühmt geworden sind. Im Juni 2012 hatten sie ihre Seniorenfreizeitstätte in der Stillen Straße 10 besetzt. Die alte Villa in der Eigenheimsiedlung sollte geschlossen werden. Für die Renovierung hatten die Pankower Bezirkspolitiker kein Geld mehr übrig und sie fanden, es gebe doch genügend andere Treffpunkte in der Gegend.

Gegen diesen Beschluss protestierten die Senioren und besetzten überraschend ihren Rentnerclub. Sie schliefen auf Luftmatratzen, kochten und organisierten den Protest. Alle staunten über den Aufstand der Alten. Fotos von den „Wut-Rentnern aus Pankow“ gingen um die Welt, es gab viele Berichte über „die ältesten Hausbesetzer der Welt“. An die Eingangstür hängten sie ein Plakat. „Wir bleiben alle!“ stand darauf. Die Stille Straße 10 wurde zum Symbol des Widerstands gegen Verdrängung und zum Treff für Politikaktivisten aus aller Welt.

Tatsächlich schafften es die rüstigen Rentner, dass ihre Villa, in der einst Stasi-Chef Erich Mielke lebte, geöffnet bleiben durfte. Nicht für immer, aber für eine Weile. Der Sozialverband Volkssolidarität übernahm die Einrichtung, doch Geld für dringliche Bauarbeiten hatte er auch nicht. 2,3 Millionen Euro wurden gebraucht. Die Senioren schrieben Anträge an die Lottostiftung. Die Lottostiftung lehnte die Anträge ab. Den Senioren war klar, nur in einem neuen Gebäude kann der Seniorentreff dauerhaft gesichert werden. Doch wer sollte so ein Grundstück finden? Und wer könnte es bezahlen?

Unterstützung aus dem Bundestag

Klaus Mindrup war schon viele Jahre in der Pankower Bezirkspolitik aktiv, als die Rentner zu Besetzern wurden. Der SPD-Politiker aus Prenzlauer Berg hatte sich auf Finanzen und Stadtentwicklung spezialisiert, soziale Gerechtigkeit und genossenschaftliches Bauen findet er wichtig. Mindrup unterstützte die Rentner in der Stillen Straße, auch wenn seine Partei für die Entscheidung, die Einrichtung zu schließen, heftig kritisiert wurde. 2013 wechselte Mindrup in den Bundestag und er nutzte seinen neuen Job, um den Senioren weiter zu helfen. Der Vorgang Stille Straße 10 beschäftigte sogar die Bundesregierung.

Denn es gab einen Plan. Aus der Begegnungsstätte Stille Straße sollte an einem Ausweichort ein neues soziales Wohnprojekt entstehen: eine Einrichtung für Menscheln mit Behinderung, ein intergeneratives und barrierefreies Wohnprojekt, ebenso ein Stadtteiltreff für Jung und Alt. Für Teenager und Senioren.

Auch ein konkreter Ort wurde gefunden, etwa 200 Meter von der Stillen Straße entfernt: das Grundstück einer früheren Autowerkstatt in der Tschaikowskistraße 14. 2500 Quadratmeter groß, im Eigentum des Bundes. Beste Lage, unweit vom Schlosspark und von Schloss Schönhausen. Dieses Grundstück könnte der Bund an das Land Berlin abgeben, die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Gesobau würde es übernehmen, und die Volkssolidarität betriebe später die neue Einrichtung.

Mindrup stellte sein Projekt dem früheren Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vor, sein Parlamentarischer Staatssekretär Jens Spahn übernahm den Fall. Es ging vor allem darum, dass die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) das lukrative Baugrundstück des Bundes nicht zum Höchstpreis verkauft, sondern verbilligt für den sozialen Wohnungsbau an das Land Berlin veräußert.

Mindrups Mühen waren erfolgreich. BIMA und Gesobau begannen mit geheimen Verhandlungen. Stillschweigend wurde vereinbart; alle Beteiligten hielten sich daran. Doch die Senioren in der Stillen Straße glaubten längst nicht mehr an eine sichere Lösung für ihren Treff. [...]

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